Moses, Aaron und Hur

Moses Aron und Hur

Moses, Aaron und Hur 1837

Alexander Heubel – Latvian National Museum of Art

In der rabbinischen Literatur: Bevor Mose auf den Berg Sinai steigt, übergibt er Aaron und Hur das Richteramt über das Volk Israel.

Antoine Galland – ein Orientalist und Numismatiker – Das Journal

Todestag von Antoine Galland

Heute vor 300 Jahren ist Antoine Galland gestorben.

Antoine Galland

Leben und Arbeit von Antoine Galland

Er war ein französischer Orientalist, der die erste europäische Übersetzung der „Geschichten aus Tausendundeiner Nacht“ (1704–1708) schuf und um heute berühmte Geschichten wie „Sindbad der Seefahrer“, „Aladin und die Wunderlampe“ und „Ali Baba und die 40 Räuber“ ergänzte.

Sein Leben :

Galland stammte aus einer Familie von Kleinbauern, verlor im Alter von vier Jahren seinen Vater und erlernte als Zehnjähriger in Noyon Altgriechisch, Latein und Hebräisch. Später studierte er in Paris am Collège Royal und der Sorbonne. Seine hervorragenden Griechischkenntnisse bewogen den damaligen französischen Gesandten Marquis de Nointel dazu, ihn 1670 zu einer fünfjährigen Mission bei der Hohen Pforte nach Konstantinopel mitzunehmen, bei der Galland türkische, persische und arabische Sprachkenntnisse erwerben konnte. Auf dieser Reise erwarb er den Grundstock seiner bedeutenden Münzsammlung.

1676 reiste Galland nach Jerusalem, um dort alte Denkmäler und Inschriften zu untersuchen, zu verzeichnen und zu skizzieren und unternahm zu dem gleichen Zweck im Auftrag der Französischen Ostindienkompanie 1679 eine dritte Reise nach der Levante, um für die Antikensammlung Colberts Stücke zu erwerben.

Nach seiner Rückkehr 1701 wurde er Mitglied der Pariser Akademie der Inschriften und schönen Künste und 1709 Professor der arabischen Sprache am Collège de France. Er verstarb am 19. Februar 1715 in Paris und wurde auf dem Friedhof der Pfarrkirche Saint-Étienne-du-Mont begraben.

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Literarische Sensation – Neuer Roman von Harper Lee

Literarische Sensation

Die Rückkehr der Nachtigall

Die Schriftstellerin Harper Lee

Keine Interviews, keine Öffentlichkeit, und lange kein neuer Roman: Die Schriftstellerin Harper Lee.

(Foto: AP)

 Märchenhaft: Ein neues Buch von Harper Lee, der Autorin des Bestsellers „Wer die Nachtigall stört“, soll fünfzig Jahre nach ihrem Welterfolg in diesem Sommer erscheinen. Das Manuskript galt bislang als verschollen.

Von Fritz Göttler

Es war, als würde man einen Schlag auf den Kopf erhalten, als würde man eiskalt erwischt, erinnert sich Harper Lee an den gewaltigen Erfolg ihres Erstlingsromans „To Kill a Mockingbird/Wer die Nachtigall stört“. Er erschien im Juli 1960, brachte ihr einen Pulitzerpreis ein und Millionenauflagen, Übersetzungen in 40 Sprachen. Alle Welt kennt die kleine „Scout“ und ihren Vater, den Rechtsanwalt Atticus Finch, wenigstens aus der Verfilmung von 1962, Regie Robert Mulligan, Produktion Alan J. Pakula, mit Gregory Peck als Atticus. Harper Lee hatte den Erfolg in keiner Weise erwartet. „Ich hoffte auf einen schnellen und gnädigen Tod unter den Händen der Kritiker, aber zugleich hoffte ich auch, jemand würde es ausreichend lieben, um mir gewisse Ermutigung zu geben.“

Von einem zweiten Buch war danach immer mal wieder die Rede gewesen, aber dann zog sich Harper Lee doch schnell aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, nicht ganz so radikal wie, und auf andere Art als die Kollegen Pynchon oder Salinger. Sie verbrachte lange Zeit ihres Lebens in New York, heute lebt sie, 88 Jahre alt, in ihrer Heimatstadt Monroeville, Alabama. Keine Interviews, kaum öffentliches Auftreten, kein weiteres Buch veröffentlicht. 1959 war sie mit dem Jugendfreund Truman Capote nach Kansas gefahren, als der den Mord an der Farmersfamilie Clutter recherchierte, für sein Reportagebuch „Kaltblütig“. Sie gaben, kühl argumentierend, rauchend, ein typisches New Yorker Intellektuellenpaar ab. Zweimal wurde die Geschichte verfilmt, jeweils mit Catherine Keener und Sandra Bullock als Harper Lee.

„To Kill a Mockingbird“, das ist einer der schönsten Coming-of-Age-Romane

Seit Dienstag steht Nelle Harper Lee nun doch wieder im Rampenlicht der literarischen Öffentlichkeit. Da wurde verkündet, dass es im Juli einen ersehnten zweiten Roman geben wird, „Go Set a Watchman“, bei Harper, Auflage zwei Millionen. Kein neuer, später Roman, sondern einer, der vor „Mockingbird“ geschrieben worden war, aber zwanzig Jahre später, in den Fünfzigern spielt. Scout ist eine junge Frau, ihr Vater Atticus ein alter Mann, gemeinsam stellen sie sich den brennenden Fragen des Rassismus in Amerika. Harper Lee meinte, das Manuskript sei verloren, aber Ende 2014 hat Tonja Carter, Lees Freundin und Anwältin, es in Harper Lees Archiv entdeckt – an ein „Mockingbird“-Manuskript geheftet. Hinweise auf einen Text dieses Titels hatte es durchaus gegeben, aber meistens hatte man irrtümlich angenommen, es handle sich um eine Frühfassung von „Mockingbird“.

„To Kill a Mockingbird“ ist eine der schönsten Coming-of-Age-Geschichten der modernen Literatur, in der Tradition der Romane von Mark Twain, Stevenson, Richard Hughes. Der amerikanische Süden der Dreißiger, der Depressionszeit, hat Züge eines Märchenlands der Ritterlichkeit und Gerechtigkeit, in das gleichwohl soziale Spannungen und stupider Rassismus hineindrängen. Tochter und Vater haben eine pragmatische Beziehung, wie zwei Buddys, wenn Atticus einen Schwarzen verteidigt, der einer Vergewaltigung angeklagt ist. Kein Wunder, dass Harper Lees Verleger damals, als sie ihm das Manuskript von „Go Set a Watchman“ vorlegte, sie ermunterte, die Flashbacks dort in dieser Zeit auszuarbeiten zu einem eigenen Roman.

viaLiterarische Sensation – Neuer Roman von Harper Lee – Kultur – Süddeutsche.de.

Südafrika – Schriftsteller André Brink gestorben

Schriftsteller André Brink gestorben

Schriftsteller André Brink gestorben

Seine einzige Waffe war das Schreiben: André Brink. (Foto: dpa)

André Philippus Brink ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Der südafrikanische Schriftsteller war einer der wichtigsten Apartheid-Kritiker und stets in Sorge um die Demokratie in seinem Heimatland.

Bis zuletzt unterrichtete Brink an der Universität Kapstadt als Professor für Literatur.

Der südafrikanische Schriftsteller und Apartheid-Gegner André Philippus Brink ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Medienberichten zufolge starb er in der Nacht zum Samstag auf dem Rückflug von Belgien nach Südafrika. In Belgien hatte ihm die französischsprachige Katholischen Universität Löwen (UCL) die Ehrendoktorwürde verliehen.

Kampf gegen die Apartheid

Brink, 1935 als Sohn eines Beamten und einer Englischlehrerin im südafrikanischen Vrede geboren, verfasste seine Werke auf Englisch und Afrikaans, der von Schwarzen noch heute oft verhassten Sprache derer, die das rassistische Apartheid-Systems schufen. Nach eigenem Verständnis war Brink tief verwurzelt in der burischen Geschichte, aber auch entsetzt darüber, „was mein Volk, die Afrikaaner (Buren) taten“, wie er einmal sagte.

Die Augen wirklich geöffnet habe ihm seine Zeit an der Sorbonne in Paris in den 60er Jahren, von wo er gerade aus der räumlichen Distanz die absurde Realität Südafrikas in aller Schärfe sah. Nur das Schreiben habe ihm ermöglicht, weiter in Südafrika zu leben, bekannte Brink. „Es war meine einzige Waffe, mit der ich gegen alles kämpfte, was mich bedrohte und ich als ungerecht empfand.“ In der Schriftstellervereinigung „Die Sestiger“ (Die Sechziger), die auf Afrikaans gegen die Apartheid-Bewegung ankämpfte, gehörte er bald zu den führenden Mitgliedern.

Sein 1979 in London erschienener Anti-Apartheid-Roman „A Dry White Season“ (Weiße Zeit der Dürre) wurde umgehend verboten. Zehn Jahre später verfilmte Euzhan Palcy den Stoff mit Marlon Brando, Donald Sutherland und Susan Sarandon.

Sorge um die Demokratie

Immer war er in Sorge um die Demokratie in Südafrika. Vor nicht allzu langer Zeit klagte Brink, sein Land habe sich abgewendet von den humanitären Idealen Nelson Mandelas.

Brink unterrichtete bis zuletzt an der Universität Kapstadt als Professor für Literatur. Drei Mal war er für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch und mehrfach für den Booker Preis nominiert, zuletzt 2012 für seinen Roman „Philida“

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Lyrik : Die Poesie der inneren Säfte

Die Poesie der inneren Säfte

Noch einmal Avantgarde: Paulus Böhmers „Zum Wasser will alles Wasser will weg“ VON JAN VOLKER RÖHNERT

Die Gedichte Paulus Böhmers sprengen jeden Begriff: flussartige Gebilde in einem Umfang, der sonst ganzen Bänden vorbehalten ist; das aktuelle Langgedicht umfasst 236 Seiten im A4-Format. Man muss weit zurückgehen, um auf Vergleichbares zu stoßen, vielleicht bei den Visionen des Propheten Jesaja, den Prophezeiungen Nostradamus’, den Psalmen Walt Whitmans. Vielleicht sollte man auch Hieronymus Bosch, den Apokalyptiker, Dalí, den großen Masturbator, die Orgelkaskaden Bachs, die Riffs von Hendrix erwähnen, um Böhmer begreifbar zu machen.

Neben dem Schreiben hat Paulus Böhmer, Jahrgang 1936, stets gemalt, aber mehr als das: Er war Stauden- und Ziergraszüchter, Werbetexter, Bohemien im Umkreis von Walter Höllerer, Johannes Bobrowski, Uwe Johnson, Günter Bruno Fuchs. Seit 1973 lebt der Sohn einer oberhessischen Prinzessin und eines in Russland gefallenen Architekten, der das Posener Schloss zur „Führerresidenz“ umgestalten sollte, in Frankfurt am Main; von 1983 bis 2003 leitete er das Literaturbüro im Mousonturm. Es überrascht, dass Böhmer mit seinen monolithisch in der Literaturlandschaft stehenden Langgedichten ein Geheimtipp geblieben ist. Kürzlich wurden ihm zwei Goethe-Medaillen, der Hölty-Preis und der Gernhardt-Preis verliehen. Sein Hauptwerk Kaddish, ein 600-seitiges Memorial, ist bei Schöffling vergriffen. 2011 ging Böhmer mit Am Meer. An Land. Bei mir zum Verlag Peter Engstler in der Rhön, wo inzwischen auch die ihn bewundernden Avantgardisten wie Monika Rinck und Ulf Stolterfoht veröffentlichen. Engstler ist die verlegerische Großtat anzurechnen – schließlich ist Böhmer ein Dichter, der noch einmal, nach Rimbaud, Lautréamont und Apollinaire, poetisches Neuland betritt: Böhmers Gedichte sind keine bequeme Lektüre, sondern eine körperliche Erfahrung, der man sich aussetzen muss.

Sosehr die Gedichte auf der einen Seite Zumutung an ästhetische Gewohnheiten sind – bei Böhmer paart sich Erhabenes mit Urkomischem, die Kindheitsfragen nach Gott, Welt und Universum sind konterkariert durch skurrile Sentenzen, absurde Vergleiche –, so sehr hat die Lektüre etwas Befreiendes: Da ist eine Form, die sich organisch mit dem Atem einstellt und alle gewohnten Formen als Verschleierung einer Wahrnehmung erscheinen lässt, die hier wieder zu sich selbst findet.

In drei Spielfiguren seiner selbst – „Wasserkopf“, „Schöps“ und „Saul“ – umkreist Böhmer das Ich. Man könnte es auch als mit rauschhaft entriegelten Sinnen geschriebene Autobiografie bezeichnen; Autobiografie eines Ich, das durch die Flüsse Nordhessens und die Säfte des Körpers gleitet, als flöge es nach Haus.

 

Sicher lassen sich die drei Partien des Langgedichts auf Kriegs- und Nachkriegskindheit, auf wilde 68er-Ära und Alterskontemplation über Frankfurter Hinterhöfe zurückführen. Das Besondere ist der Sog der Sprache: Der Lyriker ist erst bei sich, wenn er ganz in diesem Wasser fließt. Wenn Montaigne, der als Erster eine Sprache für die Peristaltik der inneren Organe und ihr Mitwirken am Ich gefunden hat, schreibt, dass wir alle nur „aus buntscheckigen Fetzen bestehen, die so locker und lose aneinanderhängen, dass jeder von ihnen jeden Augenblick flattert, wie er will“, so führt eine direkte Linie zu Paulus Böhmers sich im eignen Zerfließen aus dem Wasser lesenden Ich: „Mein Balkan / war die Kupferfarbe der Jauche in den Ablaßbecken, / die Beeteinfassungen aus leeren Steinhägerflaschen, / die fernen Entzückungen der Tiere, ihr Erstaunen, / wenn sie nachts durch die Fenster auf die Schlafenden schauten, / war das Gewinsel der Gläubigen, das Gejohle der Heimkehrer, / das Absacken der Eismassen zwischen Ohmwiesen und Ukh, / das Ausbluten der Farben, der Schaum / in Mäulern, in Schnuten, in Pfützen, / waren die kristallinen Präterrita / zwischen den Beinen der Frauen, die haarigen Bussarde, die Fleisch-Erde-Verwerfungen, die Mechanika der Glutäen, / waren Rübenmieten, Ohrenkratz, Zementgeruch, Bienen, / die vor aller Augen verreckten.“ Erkenntnis vermag bei diesem Wort- und Bilderstrom nur noch im Zündfunken singulärer Momente aufzuschießen.

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